Sehr geehrte Frau Ministerin Theresa Schopper,
in Karlsruhe nutzen derzeit sieben Schulen das Förderprogramm der Berufseinstiegsbegleitung (BerEb). Die Schulen betonen als Alleinstellungsmerkmal der BerEb die frühzeitig beginnende und langfristig angelegte Begleitung der Schüler*innen am Übergang Schule-Beruf. Das Programm wirke dabei nicht nur orientierend im Hinblick auf die berufliche Integration der Jugendlichen, sondern auch persönlichkeitsstabilisierend. Es beziehe das jeweilige Umfeld mit ein, das häufig Ursache der schulischen und beruflichen Probleme sei. Entsprechend ist die Stadt Karlsruhe bereit, das Programm weiterhin mit einem Anteil von 25% zu fördern, um den Übergang von Schule-Beruf wirksam zu unterstützen.
Als bekannt wurde, dass das Land keine weitere Finanzierung von BerEb vorsieht, haben sich die Schulen an uns als ihre Wahlkreisabgeordneten gewandt und uns gebeten, uns für eine Weiterführung der Landesförderung einzusetzen.
Die vom Kultusministerium genannten Argumente für die Einstellung der Förderung sind uns aus dem Antrag Förderung des Programms der Berufseinstiegsbegleitung durch das Land Baden-Württemberg (Drucksache 17 / 2588) bekannt. Dennoch haben wir noch Informationsbedarf, vor allem zu den angedachten Alternativen zu BerEb. Wir bitten Sie deshalb um Auskunft zu folgenden Punkten:
- Als Alternative zu BerEb wird meist das Programm Arbeitsvorbereitung dual (AVdual) genannt. Gibt es weitere Förderprogramme für den Übergang Schule-Beruf, die in der Diskussion sind?
- AVdual hat mit 1:40 einen anderen Betreuungsschlüssel als BerEb (1:25) und eine deutlich kürzere Laufzeit. Setzt BerEb bereits während der letzten beiden Klassen der Allgemeinbilden Schulen an, um Jugendliche mit besonderem Förderbedarf zu einem Schulabschluss und einer Ausbildungsstelle zu führen, werden bei AVdual die Jugendlichen erst erfasst, wenn sie bereits bei Schulabschluss und Ausbildungssuche gescheitert sind.
- Können beide Programme trotz unterschiedlicher Ausgestaltung vergleichbare Erfolge nachweisen? Inwiefern verspricht AVdual – nach bereits erfolgtem Scheitern der Jugendlichen – eine gleichwertige oder sogar bessere Unterstützung beim Übergang von Schule-Beruf?
- In welcher Form wurden die Wirksamkeit der beiden Programme ermittelt und ihre Vor- und Nachteile verglichen?
- Pro Schüler*in belaufen sich die Kosten von BerEb auf durchschnittlich 9000 Euro. Welche Kosten verursacht im Vergleich dazu das Förderprogramm AVdual pro Jugendlichem? Welchen Anteil an den Kosten tragen dabei das Ministerium für Kultus, Jugend und Sport, das Ministerium für Wirtschaft, Arbeit und Tourismus und die jeweilige Kommune?
- Wurde bei der Entscheidung gegen BerEb berücksichtigt, dass die Agentur für Arbeit jeweils die Hälfte der Kosten übernommen hat, und diese Gelder nun nicht mehr abgerufen werden können?
- Laut Aussage des Kultusministeriums (Drucksache 17/2588) spricht gegen BerEb, dass das Programm nicht flächendeckend angeboten wurde, da nur ein Teil der Kommunen bereit war, die Kofinanzierung von 25% zu übernehmen. Auch bei AVdual war bisher eine finanzielle Beteiligung der Kommunen vorgesehen. Wie wird das Kultusministerium sicherstellen, dass bei AVdual ein
flächendeckendes Förderprogramm zustande kommt? - Im letzten Schuljahr beteiligten sich 72 von landesweit insgesamt 304 Berufsschulen an AVdual. Welche Maßnahmen sind geplant, um das Förderprogramm flächendeckend auszubauen?
Wir bedanken uns für Ihre Antwort und stehen für Rückfragen gerne zur Verfügung.
Mit freundlichen Grüßen
Dr. Ute Leidig MdL
Alexander Salomon MdL
Die Antwort von Frau Ministerin Schopper finden Sie hier.
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